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Vom schwimmenden Luzienhäuschen zu den „AmperPerchten“
Warum in der Amper-Stadt Fürstenfeldbruck ein alter Brauch neu entsteht!

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Bevor am 13. Dezember die Kinder ihre selbst gebastelten Häuschen zu Ehren der Hl. Luzia die Amper flussabwärts schwimmen lassen wird auch in unserer Stadt das Fest des Hl. Nikolaus am 05. und 06. Dezember gefeiert. Und genau hier beginnt unsere Geschichte:
Es gibt wohl keinen Heiligen, zu dem besonders die Kinder eine so enge und innige Beziehung haben. War doch der heilige Mann bis weit in das 19. Jahrhundert der einzige Gabenbringer, bis nach und nach das Christkind oder gar der Weihnachtsmann diese Aufgabe übernahmen.
Im Zeitalter von Laptop, Smartphone und X-Box hat selbst der Nikolaus Probleme, für die nötige Aufmerksamkeit und Respekt bei den Auftritten zu sorgen. Inspiriert durch die Idee von Klaus Trnka einen neuen Krampus als Begleiter des Heiligen zu installieren, war der Schritt zu den Perchten und ihrer Geschichte nicht mehr weit.

Wie hat also ein Krampus auszusehen? Wo ist er zu bekommen? Und vor allem: Was ist der Unterschied zwischen Krampus und Percht?

Antworten auf diese Fragen haben wir bei einem jungen Masken-Schnitzer in Berchtesgaden gefunden. In seiner Werkstatt entstanden für uns 3 traditionelle, holzgeschnitzte Brauchtumsmasken. Wir erhielten wertvolle Tipps, wie die Fellgewänder hergestellt werden und was bei Ketten, Schellen und Glocken zu beachten ist. Stilsicher und treu dem Brauchtum gegenüber, entstanden in seiner Werkstatt die Figuren der AmperPerchten. Mühevoll und mit Liebe fürs Detail hat jeder Maskenträger seine individuelle Maske erhalten. Wie er es schafft, dass sich jeder selbst in der eigenen Maske wiederfindet, bleibt uns nach wie vor ein Rätsel.

Krampus und Perchten, die beiden Gestalten sind in den Gegenden der Alpentäler fast nicht mehr auseinanderzuhalten. Lediglich in der Zeit vom 5. Bis 6 Dezember, wenn der Nikolaus dabei ist, bezeichnen sie sich als Krampus. Danach beginnt die Zeit der Raunächte und damit die Zeit der Perchten.

Was hat dies alles mit unserer Gegend entlang der Amper zu tun?

Wir haben viele Bücher über Brauchtum gelesen und wurde fündig. Das Fest der H. Luzia, so wie es in besonderer Weise in Fürstenfeldbruck mit dem Schwimmen der Lichterhäuschen begangen wird, hat noch eine andere Seite, eine dunkle Seite. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, war der 13. Dezember der Tag der Wintersonnenwende. Im Volksglauben, teils noch aus heidnischen Zeiten, veränderte die Hl. Luzia ihr Gesicht und wurde Teil der "wilden Jagd", einem Heer von Geistern und Dämonen, zusammen mit der alten Göttin Berchta und ihrem Gefolge den Perchten. Erst mit Einführung des gregorianischen Kalenders wurde die Wintersonnenwende auf den 21. Dezember gelegt.

Wer kennt noch die Geschichten von Frau Holle oder Frau Berchta, wie sie im Süddeutschen Raum genannt wird, die im Sommer die Lichtgestalt ist, doch im Winter ein anderes Gesicht zeigt? Wer weiß noch, was Raunächte bedeuten, in denen nicht gearbeitet, gesponnen, gewaschen oder Wäsche aufgehängt werden darf? Wer weiß, dass die Perchten in ihren dämonischen Kostümen und ihrem Lärmen die Geister vertreiben sollen und mit ihrem Stampfen auf den Boden das Wachstum für das neue Jahr wecken sollen?
In unserer Gegend ist dieses Wissen verloren gegangen. Wir holen es zurück.
Perchten sind lange Zeit unentdeckt gewesen. Jetzt nicht mehr.

Die AmperPerchten.