Geschichte

Raunacht
Frau Perchta / hl. Lucia
Die Perchten
Der Nikolaus
Der Flößer
Die Hexen


Die Raunächte und ihre Wilden Jagd


Wenn der Sturm durch den Wald heult, der Schnee die Welt zum Stillstand bringt, die Kälte die Natur erstarren lässt und die Nacht am längsten ist.
Wenn die Unterwelt ihre Tore öffnet und die Toten daraus emporsteigen, die Kobolde und Gnomen ihr Unwesen treiben, Geister durch Wald und Haus spuken und die Tiere zu sprechen beginnen.
Wenn die Alten und Weisen um Mitternacht in den Wald gehen und das Wetter vorhersagen, das Orakel nicht mehr stillschweigt, die Deutungen klarwerden und der Bauer mit einer Bratpfanne voll dampfendem Weihrauch, Salbei und Beifuß Haus und Hof ausräuchert.
Wenn Frau Perchta mit ihrem Gefolge, den zu Perchten gewordenen Menschen durch die Dörfer streift, um die Dämonen zu vertreiben dann sind sie da:

Die Raunächte.


Diese Vorstellung, jedenfalls der Menschen aus vergangenen Tagen, über die Raunächte sind aus Überlieferungen zu lesen.
Der Name Raunächte ist auf rau, wild, aber auch auf Rauch (oft auch als Rauchnächte bezeichnet) zurück zu führen. So räuchert man noch heute, besonders in diesen Nächten Haus und Wohnung aus.
Seit der Einführung des gregorianischen Kalenders 1582 beginnen die Raunächte in der Nacht der Wintersonnenwende, dem 21. Dezember, und enden in der Perchtennacht auf den 6. Januar. Abgezogen der Feiertage sind es 12 Nächte. Jede Nacht steht dabei für einen Monat im Jahreskreis.
Vor der Einführung des gregorianischen Kalenders fiel die Wintersonnenwende auf den 13. Dezember, der Nacht der Heiligen Lucia.

Wilde Jagd

© Erscheinen des wilden Heeres in - Der Freischütz. Von Johann Heinrich Ramberg



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Frau Perchta und die hl. Lucia


"Ich bin Alles, ich bin schön und hässlich, Gut und Böse, hell und dunkel, unerbittlich, schützend und gefährdend. Ich bin gekommen um Dich daran zu erinnern, dass du ein Kind der Natur bist. Nutze die Dunkelheit und ihre Geborgenheit. Gib allem was du fühlst und ahnst eine Bedeutung. Spüre die Kräfte in dir und um dich herum. Öffne dein Herz für das Wunderbare, für dein Licht."

Spricht die Ur-Mutter, die Göttin Perchta.
Der Sage nach streift Frau Perchta in den Raunächten und besonders in der Nacht auf den 6. Januar durch die Wälder und Dörfer.
In den Überlieferungen findet man sie dargestellt als Göttin mit zwei Gesichtern.
Zum einen als uraltes, hässliches Weib mit schwarzen Haaren in Lumpen gehüllt. Mit diesem Gesicht verbreitet sie Chaos, Unordnung und Schrecken. Sie tanzt wie verrückt, laut kreischend um das Feuer und bestraft unartige Kinder und Bauern, deren Häuser nicht sauber sind.
Zum anderen das Gesicht einer wunderschönen jungen Frau mit goldenem Haar, die in fließende goldene und weiße Gewänder gehüllt ist. Oft wird sie mit einem Kerzenkranz dargestellt. Sie bringt Ordnung ins Chaos und bringt Licht in die Dunkelheit. Die schöne Perchta beschenkt die braven Kinder und bringt den Menschen Glück, Segen und Fruchtbarkeit und beschützt sie vor "dem Bösen".
Nicht nur den Frauen bringt sie Fruchtbarkeit, sondern auch den Boden macht sie fruchtbar. So wird sie oft als Naturverbundene Urmutter betitelt, die vor allem die Elemente Feuer und Wasser in sich vereinigt.
In ihrem Gefolge sind immer die Perchten anzutreffen.
Die Figur der Perchta hat, je nach Region, viele Namen: z.B. Freya (germanische Sage), Frau Holle (z.B. Grimms Märchen), Befana (Norditalien) und Hl Lucia (ursprünglich Sizilien).
Nicht nur die Bedeutung der Namen Perchta und Lucia: prächtig, hell, leuchtend, zeigen die Verbindung der beiden Figuren, sondern auch die Tatsache, dass beide die Seiten Gut und Böse, hell und dunkel, Licht und Dunkelheit in sich vereinen.
In Fürstenfeldbruck kam es Mitte Dezember 1785 zu einem Hochwasser, das um den 13. seinen Höchststand auswies. Da der 13. der Tag der Hl Lucia ist, wurde ihr das Versprechen gegeben, in Zukunft einen Gottesdienst abzuhalten und ihr ein Sühneopfer dar zu bringen. Als Opfergabe wurden kleine Modelle der Häuser von Bruck angefertigt, mit einer Kerze bestückt und den Fluten der Amper übergeben. Damit schafften die Bürger es, die Naturmutter Lucia zu besänftigen und damit auch die Amper. Der Wasserspiegel sank.

Lucienhäuser

Luzienhäuschen früher, © Stadtarchiv Fürstenfeldbruck


Dieser Brauch hielt sich, mit Unterbrechung, bis Heute.
Hier lässt sich die Lichtbringerin und die Beschützende Lucia erkennen, die den Menschen Glück und Segen in der dunkelsten Nacht des Jahres bringt, in der Luzifer in der Stadt sein Unwesen treibt. Interessant ist hierbei, dass bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders der 13. Dezember, der Tag der hl. Lucia, auch der Tag bzw. die Nacht der Wintersonnenwende war. Das lässt vermuten, dass dieser Brauch, der wie bei Frau Perchta, die Elemente Feuer und Wasser verbindet ein heidnischer Sonnwendbrauch ist.
Auch bei Lucia ist die dunkle Seite überliefert: die Schiache Luz.
Die Schiache Luz ist ein uraltes garstiges Weib die in Lumpen gehüllt ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat unartige Kinder und faule Mägde zu bestrafen. Sie schlitze ihnen die Bäuche auf.

"A Schüssl voll Darm, a Mölterl voll Bluat,
Bauch aufschnei´n und Zieglstoa nei"

aus "Der Perchtenlauf in der Gastein" von Heinrich von Zimburg


Die Verbindung dieser zwei Frauen ist also in mehreren Hinsichten überliefert. Tatsächlich gibt es Perchten Vereine, in denen nicht Frau Perchta die Perchten anführt, sondern Lucia.



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Die Perchten

Alles ist still und andächtig ums Feuer versammelt… Da zieht weißer Nebel auf. Durch den Nebel sieht man dunkle, gehörnte Gestalten im Schein ihrer Fackeln. Noch stehen sie still... doch plötzlich durchbrechen sie mit Getrampel und lärmenden Glocken den dichten Nebel und stürmen in die Menge. Grausig sehen sie aus, mit ihren hölzernen, dämonisch wirkenden Masken und ihren zotteligen Fellanzügen. In den Klauen halten sie Fackeln, einen langen Stab und eine Rossschweifpeitsche.
So gruselig sie auch aussehen, so viel Glück bringen sie.
Der Legende nach, sind die Perchten Menschen, die in der Zeit der Raunächte, in die Rolle von Dämonen schlüpfen, um angeführt von Frau Perchta, die Kreaturen der Unterwelt zu verscheuchen. Mit ihrem grausigen Aussehen werden die Dämonen erschreckt und mit ihrem "Heidenlärm", ausgelöst durch die großen und kleinen Glocken, die an ihren Fellanzügen befestigt sind, sollen diese vertrieben werden. Mit dem Stampfen auf den Boden soll dieser aus der Winterstarre erweckt werden, um fruchtbar das neue Jahr zu bestreiten. Mit ihren Feuern bringen sie Licht in die dunkelsten Tage des Jahres. Den jungen Frauen, die sie mit ihrem Rossschweif streifen, soll Fruchtbarkeit geschenkt werden.
Perchten sind Glücksboten.
In der vergangenen Zeit zogen sie von Hof zu Hof und brachten denen, die sie einließen, Glück, Licht und Schutz vor dem "Bösen". Die Angst vor dem "Bösen" ist seit jeher eine Urangst der Menschen.

Ein Percht zeichnet sich dadurch aus, dass er mehr als zwei Hörner auf der Maske trägt, ganz im Gegensatz zu den mit nur zwei Hörnern bestückten Krampusse. Dies stellt eine Anlehnung an den Leibhaftigen dar. Sie verkörpern den Strafenden und Maßregelnden Gegenspieler zum hl. Nikolauses.



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Der hl. Nikolaus

Wenn der hl. Nikolaus um den 6. Dezember die Kinder besucht und den artigen von Ihnen wohlwollende Worte und Geschenke bringt, wird er begleitet von den Krampussen, die Weidenruten und oft einen Sack mit sich führen. Sie bestrafen die unartigen Kinder und drohen ihnen Schläge mit der Rute an oder sie in ihren Sack zu stecken. Dabei so die Deutung von der Legende geht es darum, durch Reue und Buße die "himmlische Seligkeit" zu erlangen. Auch wenn das Ziel ein Gutes ist, sind dennoch die Bräuche, die die Krampusse umgeben boshaft. Das stellt wohl den wichtigsten Unterschied zu unseren Perchten dar, die sich als Glücks- und Lichtbringer verstehen.
Verwirrend ist dennoch, dass die Bräuche oft verschwimmen und sogar die Namen Regional für beides stehen.
Beide Bräuche reichen wohl weit in heidnische Zeiten zurück und beschäftigen sich mit der Urangst der Menschen vor dem Bösen



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Der Flößer

Erhaben schreitet er, sein Gesicht von der Laterne erhellt, mit Stab und Axt voran und erzählt Geschichten. Mit hohen Stiefeln und seinem tief ins Gesicht gezogenen Hut, teilt er die am Feuer versammelte Menge. Seit Urzeiten bringt er nicht nur Holz, sondern auch die Menschen sicher über die Amper in andere Städte.
Aber wer ist er? Was macht er hier? Ein Raunen geht durch die Menge. Plötzlich erklingt seine Stimme. Er erzählt:

Seit 1766 Kurfürst Maximilian III die Flößerei offiziell genehmigt hat, stellen die Flößer die Wichtigste Verbindung zwischen dem Alpenvorland und Fürstenfeldbruck dar. Die Flöße transportierten vor allem Holz, später auch Lebensmittel, Kohle und auch Menschen über die Ammer, den Ammersee auf die Amper nach Bruck. An der Lende war die Anlegestelle für die Flößer. Daher kommt der Name "Lende", welcher sich bis heute gehalten hat. Er bedeutet so viel wie sandiges Ufer.
Die Flößerei wurde erst durch die Einführung der Eisenbahn verdrängt, damit wurde der Wasserweg uninteressant.
Flößer waren Männer, die viel gesehen und gehört haben und so Geschichten die Flüsse entlang verbreiteten. So bringt unser Flößer die Geschichte der Perchten aus dem Alpenvorland zu uns nach Fürstenfeldbruck.

Floesser

Flößer bei der Arbeit © Konzept + Dialog



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Die Hexen

Bedächtig und erhaben stehen die Perchten schwer atmend ums Feuer. Alle Spannung und Augen sind auf sie gerichtet, als plötzlich etwas in gebückter Haltung herum huscht. Man riecht sie bevor man sie sieht, die Hexen. Mit qualmenden Kräuterbüscheln die einen angenehmen, süßlichen Geruch verbreiten, streichen sie an den Menschen vorbei und kehren ihnen über die Schuhe.
Den Perchten bereiten sie den Weg, indem sie den Schmutz und das Pech des letzten Jahres vor ihnen wegkehren. So machen sie Platz für das neue Glück.
Auch sie sind, mit ihren hölzernen Masken mit langen Nasen und gelben Augen in Leder und Lumpen gehüllt, grausig anzusehen. Dennoch sind auch sie Glücksbringer.
Über die Hexen ist deutlich weniger überliefert worden, als über Frau Perchta oder die Perchten, deren Begleiter sie sind.
Bei den Auftritten tanzen und stampfen sie nicht mit den Perchten, sondern laufen verquer umher, wahllos und wirr kehren sie hier und kehren sie dort. Sie kehren vor und hinter den Perchten, kehren die Schuhe der sie umgebenden Menschen. Sie schlängeln sich während der Tänze durch die Perchten, damit mischen sie das Perchtentreiben auf. Dieses wirre Verhalten soll der Überlieferung nach eine Anlehnung an Frau Perchta sein, die als hässliche Alte Chaos und Unordnung verbreitet.
Mit dem kehren der Schuhe der Menschen, kehren sie demjenigen das Pech und Unglück herunter.
Die qualmenden Kräuterbuschen sollen an die Räucherungen der Bauern erinnern, die damit in den Raunächten das Böse aus den Häusern verbannen wollten.

Dabei ist enthalten:

• Salbei zur Reinigung und zum Schutz vor bösen Geistern
• Beifuß zur Verstärkung von Visionen
• Schafsgabe zur Unverwundbarkeit und Kraft der Frauen
• Lavendel zur Steigerung der inneren Ruhe

Hexe der AmperPerchten




Quellennachweise:

- "Der Perchtenlauf in der Gastein", Heinrich von Zimburg 1947
- www.Jahreskreis.info/files/rauhnächte.html
- "Schäfflertanz & Perchtenlauf" Verlag Süddeutsche Zeitung
- http://rauhnacht.bayern
- "Bayerische Rauhnacht: Sagen, Mythen und Legenden" von Hans Reupold, Alfons Schweiggert
- www.kraeuterweisheiten.de/goettinnen/209-perchta.html
- "Kramperl & Percht: Brauchtum und Unterschied" von Ulrike Kammerhofer-Aggermann auf www.salzburg24.at